26.03.2012 Leserbrief an die StZ zum Artikel „Man sollte die Ehe nicht verwässern“

Artikel „Man sollte die Ehe nicht verwässern“ Interview mit Thomas Bareiß, CDU Abgeorderter im Zollernalbkreis

Herr Bareiß hat offensichtlich die letzten 10 Jahre verschlafen, in dem Interview kommt er mit Argumenten aus der Mottenkiste gegen die Gleichstellung, über die man nur noch müde lächeln kann.

Lebenspartner wollen keine besonderen Rechte im Ehegattensplitting, sondern nur die gleichen Rechte wie für die in einer Ehe lebenden Heteropaare, weil Lebenspartner auch den gleichen Pflichtenkatalog übertragen bekommen. Herr Bareiß fordert sogar:  „sollten die Gerichte eine Gesetzeslücke sehen, müssen wir diese schließen….“ Müssen nach Ansicht von Teilen der CDU die Gesetze an das Parteibuch angepasst werden? Sicher nicht ! Europäische und auch deutsche Gerichte haben den Missstand  bei der Gleichbehandlung von Ehen und eingetragenen Partnerschaften schon lange erkannt und zu Recht entsprechende Urteile gefällt, manche stehen in letzter Instanz auch noch aus. Beim Ehegattensplitting, zum Beispiel, kann man aber damit rechnen, dass der BGH die Ungleichbehandlung kippt.
Herr Bareiß sagt: „Die Ehe ist ein gegenseitiges Bekenntnis zur Übernahme von Verantwortung…“ und dies rechtfertige die alleinige Förderung der Ehe. Was, glaubt er, machen Menschen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft? Hier wird ohne Unterschied dasselbe gemacht. Die Gesellschaft hat dies schon lange wahrgenommen.

Aus diesem Grund sind es z.B. gerade die Konservativen in Großbritannien, die die Ehe nun auch für gleichgeschlechtliche Beziehungen öffnen wollen (wie schon einige andere europäische Länder). Weil Sie es gut finden, wenn Bürger Verantwortung übernehmen.

Heinrich Kuck-Linse
Landesvorstand LSVD Baden-Württemberg
Lesben- und Schwulenverband e.V.
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