Erster internationaler Regenbogenfamilientag in der Wilhelma

Pressemitteilung

Unserer Einladung folgten trotz des regnerischen Wetters am Sonntag den 06.05.2012 über 70 Eltern, Kinder, Verwandte und Freunde_innen in die Wilhelma nach Stuttgart. Die Regenbogenfamilien kamen aus ganz Baden-Württemberg: Aus Konstanz, Ulm, Heidelberg, Karlsruhe, aber auch aus der näheren und weiteren Umgebung von Stuttgart.

Der erste Internationale Regenbogenfamilientag startete mit Begrüßungsreden von Frau Dr. Holtkötter, stellvertretende Wilhelmadirektorin, Frau Brigitte Lösch, erste GRÜNE stellvertretende Landtagsvizepräsidentin und Frau Dr. Lisa Herrmann-Green vom Lesben- und Schwulenverband Baden-Württemberg.

Die Regenbogenfamilien  wurden von Frau Dr. Marianne Holtkötter, der stellvertretenden Direktorin, sehr herzlich begrüßt und erfuhren von den  Attraktionen und Schönheiten der  Wilhelma.  An diesem Sonntag drehte sich in der Wilhelmaschule alles um die heimische Amphibienwelt, also um Frösche, Salamander  & Co.

Im Anschluss gratulierte Brigitte Lösch, die Vizepräsidentin des Landtags und Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen, zuständig für die Belange von Lesben und Schwulen zum ersten internationalen Regenbogenfamilientag. Brigitte Lösch setzt sich dafür ein, dass Regenbogenfamilien nicht länger rechtlich und gesellschaftlich diskriminiert werden dürfen. Hier Auszüge aus ihrer Rede:

„Regenbogenfamilien müssen sichtbar werden, schon allein aufgrund der über 7000 Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen. Sie müssen auf die Probleme, mit denen sie  alltäglich konfrontiert werden hinweisen.
Es gibt heute so viele unterschiedliche Lebensmodelle,  gleichgeschlechtliche Paare, Paare die eine Lebenspartnerschaft eingehen, oder auch nicht – lesbische und schwule Paare mit Kinder – aber auch Pflege und Adoptivfamilien und Paare, die durch anonyme Samenspenden Kinder bekommen haben.
„Familie ist da, wo Kinder sind!“ – und wo Generationen füreinander verantwortet übernehmen – egal ob verheiratet oder ledig, egal ob heterosexuell oder homosexuell – das war und ist für mich schon immer klar gewesen – in meiner 10 jährigen Arbeit als kinder- und familienpolitische Sprecherin unserer Fraktion.
Die grün-rote Landesregierung hat im Koalitionsvertrag der Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern ein eigenes Kapitel gewidmet – mit dem Credo: gleiche Pflichten – dann aber bitteschön auch die gleichen Rechte.
Im Hinblick auf das Thema Homosexualität und der rechtlichen Situation gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften hat sich deshalb auch schon in diesem einem Jahr in Baden-Württemberg getan.

  •  Seit dem 1. Januar ist Heiraten auf dem Standesamt möglich.
  •  Die Gleichstellung verpartnerten lesbischen und schwulen Beamten/innen mit   heterosexuellen Paaren soll noch dieses Jahr Gesetz werden.
  • Die Landesregierung wird in einem landesweiten Aktionsplan für Toleranz und Gleichstellung Konzepte entwickeln, um Vorurteile abzubauen und Baden-Württemberg zu einem Vorreiter für Offenheit und Vielfalt zu machen.

In diesem Sinne ist der International Family Equality Day – also der erste internationale Regenbogenfamilientag ein unglaublich wichtiges Signal.“

Nach dem Grußwort von Brigitte Lösch erklärte, Frau Dr. Lisa Hermann-Green, Botschafterin des LSVD bei Nelfa, wie es zum ersten internationalen Regenbogenfamilientag kam, und was Nelfa ist. Hier Auszüge aus ihrer Rede :

„Nelfa ist eine Dachorganisation von Regenbogenfamilien. Seit diesen Jahres ist Nelfa als NGO in Brüssel präsent und arbeitet für die Belange von Regenbogenfamilien auf europäischem Niveau. Letzte Woche fand der 2. Familienkongress in Barcelona statt – über 1000 Menschen nahmen an diesem 4-tägige Treffen teil!
Der nächste Kongress wird in 2014 in Deutschland stattfinden. 22 Regenbogenfamilien-Organisationen aus 14 verschiedenen Ländern sind Mitglied bei Nelfa. Der „International Family Equality Day“ ist etwas ganz Besonderes. Er ist das Resultat einer positiven und sehr konstruktiven internationalen  Zusammenarbeit von Nelfa mit dem Family Equality Council in USA und die LGBTQ Parenting Network in Kanada. Also feiern heute Regenbogenfamilien in Österreich, Finnland, Spanien, Griechenland, Schweiz, Kanada und USA mit uns den ersten „International Family Equality Day“ mit familien gerechten Aktivitäten und Events, die unsere vielfältigen Familienform sichtbar machen soll. In Deutschland gestaltet der LSVD und die  ILSE‘s „Das Familienfest im Zoo“ so auch in der Wilhelma und in Hamburg und Erfurt. Hintergrund zu diesem Event ist: Seit einiger Zeit erhalten hier Regenbogenfamilien gleichberechtigt Familienkarten. Das war bei uns nicht immer so! Andere Länder sind hiervon auch heute noch weit entfernt! Diese Familienkarten sind ein sehr alltagsnahes Zeichen für die fortschreitende Akzeptanz und Gleichberechtigung von Regenbogenfamilien in Deutschland. Also zelebrieren wir heute einen Fortschritt!“

Im Anschluss an die Begrüßungsreden hatten die Kinder großen Spaß bei der Seelöwenfütterung, bei der Fütterung im Raubtierhaus, im Affenhaus, bei den Elefanten und all den anderen tollen Tieren und Pflanzen.  Für ausreichend Bewegungsmöglichkeit sorgten die Kletterspielplätze, die bestens geeignet sind, um die Kletterkünste der Tiere nachzuahmen. Die Eltern haben die Pausen intensiv zum Austausch und zur Vernetzung genutzt. „Regenbogenfamilien im Zoo sind alltäglich und doch anders“.

Brigitte Aichele-Frölich (Lesben- und Schwulenverband Baden-Württemberg e.V)

IFED_Bericht_2012 (PDF,7 MB)