10.10.2012 Buchvorstellung: Schön! Stark! Frei!

 

Wie Lesben in der Presse (nicht) dargestellt werden

Frauen, die lesbisch leben, sind im Alltag zunehmend präsent. Auch in der Popkultur, bei Filmen und Vorabend-Serien bedienen kuschelnde lesbische Pärchen das Bedürfnis nach Abwechslung.

 

Elke Amberg, die Autorin ist Journalistin und Kommunikationswissenschaftlerin. Sie analysierte Zeitungsartikel zur lesbisch-schwulen Gleichstellungspolitik sowie rund um das alljährliche Szene-Event Christopher-Street-Day. In »Schön! Stark! Frei!« präsentiert sie jetzt erstmals Zahlen und Fakten zur bisher nur gefühlten »Leerstelle Lesben«. Amberg erläutert die wenigen, oftmals verzerrenden Darstellungen lesbischer Frauen und zeigt auf, warum Lesben im öffentlichen Diskurs nur selten sichtbar werden.

Wann: Mittwoch 10.10.2012 um 19:00 Uhr
wo: Plenum Stuttgart, 70173 Stuttgart, Konrad-Adenauer-Straße 3 (Oberer Schlossgarten)

Dies ist eine Veranstaltung der Wirtschaftsweiber Regionalgruppe Stuttgart
mit freundlicher Unterstützung des LSVD Baden-Württemberg.

Rezenssionen zum Buch:

Aus der leseempfehlung des Lesbenrings:
Herausgekommen ist eine Menge fundiertes Zahlenmaterial (was frau von einer Studie erwarten kann) und darüber hinaus ein für ein br
eites LeserInnenpublikum sehr informatives Buch (was weitaus mehr ist, als frau von vielen Studien gewohnt ist). Kompliment dafür, dass der Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Lesespaß so gut gelungen ist. Witziges Cover, hervorragendes Layout und – sofern eine keine Probleme mit kleiner Schrift hat – der Nachdruck analysierter Artikel werten das Buch zusätzlich auf. Fazit: Frauen schaffen es viel seltener in die Presse als Männer, Lesben deutlich seltener als Heterofrauen und als Schwule. Wenn es Lesben doch in einen Artikel geschafft haben, dann bleibt der häufig unbebildert oder die Lesben werden infantilisiert  ohne Familiennamen. Beliebtestes Thema: Lesbische Mütter, die entsexualisiert, entpolitisiert, sozusagen als „echte Frauen“ rüberkommen.  In der Boulevardpresse wird auch der ästhetisierten Promilesbe, hier in der bayrischen Version im Dirndl, von Zeit zu Zeit Platz eingeräumt.


Lesben als Gruppe, Aktivistinnen, politische Akteurinnen fehlen fast vollständig und selbst Themen, die Lesben und Schwule gleichermaßen betreffen, machen durch die Wortwahl und Bebilderung die Lesben oft unsichtbar. Obendrein wird die Verwendung der Begriffe Lesbe, lesbisch, schwul und Schwuler noch immer nach Kräften vermieden.

Es gibt also noch jede Menge zu tun – packen wir’s an!

Aus der Rezension von Kathrin Friederike Müller in r:k:m
Die Verfasserin siedelt ihre Studie an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Journalismus an. Das macht sich sowohl in der Konzeption der Studie als auch in der Diskussion der Befunde bemerkbar. So stellt sie das Sample äußerst selektiv zusammen, indem sie mit einem halben Jahr einen relativ langen Analysezeitraum festlegt, jedoch nur 81 Artikel zu den Themen “rechtliche Gleichstellung” und “CSD” aufnimmt. Dieses kleine Sample lässt vor allem die Befunde der quantitativen Studie als nur begrenzt aussagekräftig erscheinen. Zusätzlich werden die Artikel qualitativ ausgewertet, die forschungsleitenden Fragen für beide Bereiche sind: “In welchem Maß sind Lesben in der Presse unsichtbar? Wie werden lesbische Frauen dargestellt in den wenigen Artikeln, in denen sie Thema sind? Vor welchem Hintergrund müssen diese Ergebnisse interpretiert werden? Was könnte die Ursache sein, und wo gibt es Ansatzpunkte, es besser zu machen?” (15)