International Family Equality Day

Begrüßt wurden die Regenbogenfamilien von Brigitte Aichele-Frölich (Vorstandsfrau im LSVD Baden-Württemberg) und Dr. Ursula Matschke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Stuttgart, die auch herzliche Grüße vom Oberbürgermeister Fritz Kuhn ausrichtete. Sie versprach, sich für die Selbstverständlichkeit und Gleichberechtigung von allen Familien einzusetzen. (Grußwort untenstehend).
Anschließend berichtete Dr. Lisa Green (Vorstandsfrau bei NELFA und LSVD Baden-Württemberg) vom europäischen Dachverband der Regenbogenfamilien in Brüssel NELFA (Network of Lesbian and Gay Families‘ Associations) sowie die Entstehung des Internationalen Regenbogenfamilientags. Dieser wurde 2012 von der NELFA in Zusammenarbeit mit Regenbogenorganisationen aus USA und Kanada ins Leben gerufen und findet immer am ersten Maisonntag im Jahr statt. Gefeiert wird die Regenbogenfamilie als eine Variante des vielfältigen Familienlebens in unserer heutigen Gesellschaft. Begangen wird der Tag inzwischen weltweit. Dieses Jahr beteiligten sich neben acht deutschen Städten, 27 weitere Städte in Europa sowie in USA, Kanada, Israel, Australien und Japan mit Aktionen.

Es war ein wunderschöner Tag und eine Bereicherung für alle!

Dr. Lisa Green
Landesvorstand LSVD Baden-Württemberg
Lesben- und Schwulenverband
Mobil +49 (0)1578 765 7184
lisa.green@lsvd.de
www.ba-wü.lsvd.de

Grußwort von Frau Dr.Ursula Matschke

„Liebe Frauen und Männer, liebe Kinder, liebe Gäste des internationalen Regenbogenfamilientags in Stuttgart. Ich möchte Sie ganz herzlich auch vom Oberbürgermeister Herrn Fritz Kuhn grüßen, der heute leider verhindert ist, selbst zu kommen. Ich vertrete ihn einerseits , bin aber auch als Leiterin der Gleichstellungsstelle der Stadt Stuttgart sehr gerne hierher gekommen. Vielen Dank für die Einladung! Mein-unser Schwerpunkt ist es seit 10 Jahren in Stuttgart, jeder Frau, jedem Mann, jedem Mädchen, jedem Jungen, die Rahmenbedingungen zu verbessern, die ihr, ihm eine optimale Voraussetzung für individuelle Lebenvorstellungen und die individuelle Entwicklung schaffen. Dazu gehören auch die jeweils eigene sexuelle Orientierung und Identität. Seit Jahren ist die Rede von Gender- Diversity Mainstreaming und alle wollen, müssen es praktizieren. Die Europäische komission hat Maßstäbe gesetzt! Dabei haben allerdings die meisten den ökonomische Nutzen gut ausgebildeter Migrantinnen und Migranten im Kopf. Es geht dabei um Ressourcen, unser Human Capital, wie es so schön heißt. In einer Stadt wie Stuttgart, als Großstadt, stellt sich mir aber die Frage: Welche Vielfalt meinen wir? Welche Vielfalt wollen und können wir uns leisten? Vielfalt bedeutet auch, oder gerade Toleranz, Gleichstellung und Chancengleichheit für alle Gruppen unter dem Aspekt Gender, Alter, Behinderung, Religion, Ethnie, Sexuelle Identität und Orientierung. Dafür setze ich mich mit meiner Abteilung ein, dafür arbeiten wir! Kommunal erstellen wir gerade einen Aktionsplan für Toleranz, Vielfalt und Gleichstellung von Frauen und Männern. Nächstes Jahr veranbstalten wir in diesem Zusammenhang einen bundesweiten Diversity Kongress. Der gesellschaftspolitischen Diskussion soll neben der wirtschaftspolitischen eine große Bedeutung zukommen. Sie sind herzlich eingeladen, partizipativ mitzugestalten! Den internationalen Familienregenbogentag gibt es seit 2011.Der Begriff geht auf Josephine Baker und ihre adoptierten Kinder zurück. Viel hat sich seit den 50-er Jahren grundlegend getan. Gesetzlich haben wir die eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft erreicht, die Stiefkindadoption, aber auch die Entragung in den Duden der „Regebogenfamilie“ und am 19.2. 2013 das sukzessive Adoptionsrecht über das Bundesverfassungsreichtsurteil. “ Ein guter Tag ..“ wie sich Vertreter der Grünen und FDP politisch äußerten. Nun fehlt noch die Ausgestaltung für die gemeinschaftliche Adoption 2014. Wobei ich es schon bedenklich für eine Gesellschaft finde, wenn das Bundesverfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (Fall Irland) Grundlagen schaffen müssen, die eigentlich eine politische Gesellschaft selbst gestalten sollte! Welche Wirklichkeit von Familie haben wir heute? Das Bild unserer Schulbücher und Kindergartenlesebücher mit „Mama-Papa-Kind“, allenfalls einer Scheidungsproblematik, als darstellung der Familiensituation, bildet unsere Wirklichkeiten mit Sicherheit nicht mehr ab. Da besteht dringender Handlungsbedarf im bildungspolitischen Sektor, der Öffentlichkeitsarbeit und Sensiblisierung aller Beteiligter. Wir, bzw. unsere Kinder leben heute in Ein- Elternbeziehungen, Patchworkfamilien, Regenbogenfamilien und : Sie sind glücklich und in Ordnung! Das bezeugen Familien- und Soztialforschung und dazu beglückwünsche ich Sie heute: Sie haben tolle Kinder! Alle bisher verfügbaren Forschungsergebnisse und leider viel zu wenig in Auftrag gegebenen Forschungen im Bereich deutsche Familien- und Soztialforschung ( die jüngste stammt vom BMJ)ergeben folgendes Bild: Die Kinder aus Regenbogenfamilien stehen zwar unter einem größeren Rechfertigungsdruck und werden häufiger diskriminiert wie andere Kinder, aber sie haben ein höheres Selbstbewußtsein, mehr soziale Kompetenz, reflektieren sich und ihr Geschlecht, dank ihrer Eltern und einer Vielzahl von Rollenmodellen, die ihnen im Alltag und Freundeskreis begegnen. Meine praxisbezogene Vision für Stuttgart 2013, bis zum nächsten internationalen Regenbogenfamilientag, im Rahmen meiner Tätigkeit: Wir erstellen als zweite Großtstadt, nach Köln, eine Studie über die Situation und Vielfalt von Regenbogenfamilien hier in Stuttgart und integrieren die Ergebnisse in unsere Diversitytagung 2014 und schaffen es, eine Beratungsstelle für das Land Baden-Württemberg aufzubauen. In diesem Sinne wünsche ich uns einen guten Nachmittag, gute Gespräche, ein schönes Fest und weiteres gutes Zusammenarbeiten! “  Ihre Ursula Matschke