Queere Menschen in BW und RLP bekommen erstmals eine Vertretung im SWR-Rundfunkrat

Stuttgart/Mainz, 09.09.2026. Mit dem neuen SWR-Rundfunkrat, der Ende September seine Arbeit aufnimmt, wird es erstmals einen Selbstvertretungssitz für queere Bürger*innen geben. Die Landesverbände Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz des LSVD – Verband Queere Vielfalt werden künftig gemeinsam den Sitz im Rundfunkrat des Südwestrundfunks wahrnehmen. Benannt wurde die langjährige Aktivistin und Autorin Janka Kluge aus Stuttgart. Als Vertretung konnte Moderator*in und Künstler*in Janboris Ann-Kathrin Rätz aus Mainz gewonnen werden.

„Öffentlich-rechtliche Medien tragen eine besondere Verantwortung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Vielfalt. Mit der gemeinsamen Vertretung im neuen Rundfunkrat wollen wir sicherstellen, dass queere Perspektiven im Südwesten fest verankert sind und in die Programmgestaltung einfließen“, erklärt Ulrike Goth aus dem Landesvorstand des LSVD in Baden-Württemberg.

„Queere Sichtbarkeit in den Medien kann Vorurteile und Feindlichkeiten abbauen. Wir wollen im Rundfunkrat mit dafür sorgen, dass queere Themen differenziert, respektvoll und vielfältig dargestellt werden – jenseits von Klischees und Polarisierung“, ergänzt Joachim Schulte aus dem Landesvorstand des LSVD in Rheinland-Pfalz.

Im Gegensatz zu anderen gesellschaftlichen Gruppen sind queere Menschen in vielen Aufsichtsgremien deutscher Medienhäuser nicht vertreten. Im Südwestrundfunk wird sich das nun ändern – nach jahrelangem Engagement aus der Zivilgesellschaft. Mit dem neuen SWR-Staatsvertrag wurde erstmals ein Selbstvertretungssitz für LSBTIAQ* im SWR-Rundfunkrat geschaffen. Damit folgen die beiden Landesregierungen und der Sender dem Grundsatz der Vielfaltssicherung, wie ihn das Bundesverfassungsgericht bereits 2014 im Urteil zum ZDF-Staatsvertrag formuliert hat. Dort heißt es, die Zusammensetzung der Rundfunkgremien müsse Personen mit „möglichst vielfältigen Perspektiven und Erfahrungshorizonten aus allen Bereichen des Gemeinwesens“ zusammenführen. Die Amtsperiode des neuen SWR-Rundfunkrats geht bis 2031. Alle Informationen zu seiner Arbeit hier.

Hintergrund
In der Medienberichterstattung über lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und intergeschlechtliche, a_spec sowie weitere queere Menschen (LSBTIAQ*) hat sich in den vergangenen Jahren vieles verbessert. Während viele Redaktionen seriös und differenziert berichten, werden queere Themen in manchen Medien jedoch weiterhin verzerrt, sensationalistisch oder gar abwertend behandelt. Mit einer starken queeren Stimme im Rundfunkrat soll diese Perspektive künftig systematisch gestärkt werden.

Das Bundesverfassungsgericht hat 2014 entschieden, dass die Zusammensetzung von Rundfunkräten dem Prinzip der Vielfaltsicherung entsprechen muss (BVerfG, 1 BvF 1/11). Seitdem haben mehrere Rundfunkanstalten ihre Gremien reformiert. 2015 war eine Kampagne des LSVD erfolgreich, die zu einem Sitz im ZDF-Fernsehrat führte.

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Sitze für LSBTIQ* in Rundfunkräten und Medienanstalten (LSVD⁺)

Darstellung von LSBTIQ* im Fernsehen und den Medien (LSVD⁺)

Jetzt anmelden zur Tagung für lesbische und queere Frauen in Bad Boll!

Erneut sind wir Kooperationspartner der Tagung für lesbische und queere Frauen* in der Ev. Akademie in Bad Boll. In diesem Jahr findet die Tagung etwas früher statt, nämlich vom 4. bis zum 6. Dezember. Das Motto lautet diesmal: „Streitbar – solidarisch – mutig“.

Evangelische Akademie Bad Boll. Foto: Stefan Schillinger
Evangelische Akademie Bad Boll. Foto: Stefan Schillinger

Das Schwerpunktthema „Resilienz“, das wir für die diesjährige Tagung für lesbische und queere Frauen* gewählt haben, ist aktueller denn je. Demokratiefeindlichkeit, Extremismus und der Verlust von Diskursfähigkeit – digital wie analog – stellen auch lesbische und queere Frauen* zunehmend vor Herausforderungen. Wie können wir solidarisch bleiben, uns gegenseitig stärken und als Netzwerk resilienter werden?

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Stuttgart: interfraktioneller Antrag für eine Ehrung von Fritz Bauer

Unsere Unterschriftenaktion zusammen mit AG Queere Erinnerungskultur „Der-Liebe-wegen“, IG CSD Stuttgart und Weissenburg, „Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer – auch im Kampf gegen das §175-Unrecht“, war erfolgreich: Noch vor der Sommerpause wurde von allen demokratischen Parteien und Wähler:innengemeinschaften (außer Freie Wähler) ein entsprechender interfraktioneller Antrag im Gemeinderat gestellt.

PULS, CDU, Die Grünen, SPD/Volt sowie das Bündnis aus Linke, SÖS und Tierschutzpartei haben gemeinsam am 16. Juli einen Antrag eingereicht, die Stadtverwaltung möge prüfen, dass und wie Fritz Bauer in Stuttgart posthum angemessen geehrt werden kann. Die Verwaltung werde beauftragt, eine entsprechende Satzungsregelung für das Stadtrecht auszuarbeiten und dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorzulegen.

Unterschriften-Übergabe beim CSD-Neujahrsempfang am 23.01.26 Foto: IG CSD Stuttgart
Unterschriften-Übergabe beim CSD-Neujahrsempfang am 23.01.26 Foto: IG CSD Stuttgart

Außerdem solle die Verwaltung das Land Baden-Württemberg darum ersuchen, im Zuge der laufenden Planungen im Gerichtsviertel einen öffentlichen Platz zu realisieren, um diesen nach Dr. Fritz Bauer benennen zu können.

Den Antrag an den Gemeinderat und dessen Begründung findet ihr hier.

Reformationsdenkmal in Stuttgart wurde zum temporären Gedenkort nach dem Anschlag auf den Berliner CSD

Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD sind wir geschockt, traurig und wütend. Viele von uns waren am Samstag beim CSD in Stuttgart und haben die schlimme Nachricht dann erfahren. Seit Samstagabend ist unsere Welt nicht mehr dieselbe. Etwas Unfassbares ist geschehen.

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„Ohne uns kein Wir“ – Das war die Stuttgart Pride 2026

Unter dem Motto „Ohne uns kein Wir“ fand in diesem Jahr die Stuttgart Pride statt. Wir hatten bis Samstagabend eine tolle Demonstration mit der Bimmelbahn, bis uns die Nachricht vom Anschlag auf den Berliner CSD erreichte. Unsere Welt ist nicht mehr dieselbe.

Wir sind traurig, wütend und fassungslos. Unsere Gedanken und unsere Anteilnahme sind bei den Opfern, deren Angehörigen und der Berliner Community. Wir stehen zusammen und werden weiter auf die Straße gehen und für unsere Rechte kämpfen. Wir lassen uns weder instrumentalisieren, noch spalten. Und wir wollen, dass den Worten von Politiker:innen nun Taten folgen.

Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt.

Gustav Heinemann

Diese Bundesregierung hat sich seither nicht gerade als Freundin der queeren Community ausgezeichnet. Und jeder Extremismus hat eine Grundlage: gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Es ist jetzt ein schlechter Zeitpunkt, Demokratie-Förderprogramme und die Zuschüsse für queere Projekte zu streichen oder zusammenzukürzen. Wir haben das jahrelang wiederholt gesagt: Es geht um die Werte der Demokratie, wenn wir angegriffen werden. Hass tötet.

Danke an alle, die da waren, uns begleitet haben, geholfen haben, am Sonntag an Stand und Spielstraße vorbeigeschaut haben. Danke an unsere BerTA-Schirmfrau Brigitte Lösch und Sozialminister Oliver Hildenbrand.