„Wir sind die Anderen – immer noch?“: Lesben-Tagung in Bad Boll vom 3.-5. Dezember

Seit über 30 Jahren veranstaltet die Evangelische Akademie Bad Boll in schöner Umgebung am Rand der Schwäbischen Alb alljährlich eine Tagung für lesbische Frauen. In diesem Jahr lautet das Thema: „Wir sind die Anderen – immer noch? Lesbische und queere Frauen* gemeinsam für eine neue Normalität.“ Die Veranstaltung wird durch die Bundeszentrale für politische Bildung, durch das Landessozialministerium und uns, dem LSVD Baden-Württemberg, unterstützt.

Die Tagung findet vom 3. bis zum 5. Dezember statt. Neben einem vielfältigen Programm gibt es auch wieder etliche Workshops. Vorab bieten die Veranstalterinnen vom am 2. und 3. Dezember Entspannungstage an – Zeit, um die Seele baumeln zu lassen und anzukommen.

Das Programm und alles zur Anmeldung findet Ihr hier.

Verfolgung lesbischer Frauen in BW wird endlich erforscht

Im Rahmen des Forschungsprojekts zur LSBTTIQ-Verfolgungsgeschichte in Baden-Württemberg werden die Schicksale lesbischer baden-württembergischer Frauen im Nationalsozialismus erforscht. Das baden-württembergische Wissenschaftsministerium sagte jetzt eine Finanzierung dafür von 200.000 Euro zu.

Nachdem die Erforschung der Geschichte von LSBTTIQ-Menschen im Nationalsozialismus lange Zeit vernachlässigt wurde, machte sich die grüne Landtagsfraktion diese Erforschung nach der Landtagswahl 2011 zum Ziel. In den ersten zwei Modulen in Kooperation mit der Universität Stuttgart und der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld stand die Verfolgung schwuler Männer im Fokus. Jetzt soll sich in einem dritten Modul der Verfolgung lesbischer Frauen gewidmet werden. Eingesetzt dafür hatte sich vor allem die grüne Landtagsabgeordnete Brigitte Lösch, die auch queerpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg ist.

Für die wissenschaftliche Aufarbeitung wurden die Professorinnen Katja Patzel-Mattern und Karen Nolte (Historisches Seminar und medizinische Fakultät, beide Universität Heidelberg) sowie die Historikerin Silvia Paletschek (Universität Freiburg) beauftragt. Damit wurde ihrem Forschungsantrag „Alleinerziehende Frauen, Freundinnen, frauenliebende Frauen – lesbische Lebenswelten im deutschen Südwesten (ca. 1920er- bis 1960er-Jahre)“ mit Unterstützung des Netzwerks LSBTTIQ stattgegeben.

Der LSVD Baden-Württemberg begrüßt die Entscheidung und die Förderung. Seit Jahrzehnten spielte und spielt für Forschung und Gedenkstätten die Verfolgung lesbischer Frauen in der NS-Zeit keine Rolle. Nach wie vor tut sich die Geschichtswissenschaft generell schwer mit queeren und auch feministischen Forschungsperspektiven. Es gibt zwar Arbeiten von Historikerinnen und Soziologinnen zur Verfolgung lesbischer Frauen. Diese werden aber zumeist als unwissenschaftlich abgetan. Es fehlt an Finanzierung, Wahrnehmung, einer Lobby, Übersetzungs- und Verbreitungsmöglichkeiten. Während bei schwulen Männern die Verfolgung ja quasi durch die Paragrafen 175 und 175a „belegt“ und nachgewiesen werden kann, war bisher das Hauptargument gegen die Erforschung lesbischer Schicksale im Nationalsozialismus, dass Lesben eben nicht offiziell kriminalisiert und verfolgt wurden. Die fehlende Kriminalisierung wiederum hat im Nationalsozialismus aber auch einen Grund: Frauen wurde generell kein Begehren zugestanden. Warum dann also weibliche Homosexualität unter Strafe stellen?2Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg vom Wissenschaftsministerium zur Förde-rung mit insgesamt 200.000 Euro ausgewählt.Ein ganz wichtiger Schritt zur Aufarbeitung der lesbischen Verfolgungsgeschichte, wie die langjährige Fürsprecherin der queeren Community im Landtag von Baden-Württemberg betont. So erinnert sie auch an das unwürdige Gezänkdarüber ob in der Gedenkstätte Ravensbrück auch der Verfolgung lesbischer Frauen Gedacht werden darf. „Nach diesem Forschungsprojekt kann kein Mensch mehr die Verfol-gung lesbischer Frauen in Zweifel ziehen“, sagt Brigitte Lösch abschließend.

Bad Boll Tagung „Home, sweet home! – Wo finden lesbische und queere Frauen* Heimat?“

Jetzt anmelden! Vom 13.-15.12.2019 veranstaltet die Evangelische Akademie Bad Boll die Tagung „Home, sweet home! – Wo finden lesbische und queere Frauen* Heimat?“ – Welchen Einfluss auf die Frage nach Heimat haben gesellschaftspolitische Zusammenhänge und Großwetterlagen? Wie sieht es damit aus in der LSBTTIQ Community selbst?

Es erwartet euch eine spannende Tagung u.a. mit Stephanie Kuhnen, Susanne Hun und vielen weiteren Referent*innen. Hier geht es zur Anmeldung und zum Programm: https://www.ev-akademie-boll.de/tagung/540319.html

Wir freuen uns schon jetzt auf Bad Boll!

Der LSVD Baden-Württemberg ist Kooperationspartner der Tagung.

Foto: © Evangelische Akademie Bad Boll, Giacinto Carlucci