Hier sind wir beim CSD-Kulturfestival mit dabei

Leider findet auch der CSD in Stuttgart dieses Jahr nicht in gewohnter Form statt. Dennoch Vielfalt verstärken und sichtbar sein trotz Corona – da sind wir natürlich dabei! Wir machen selbst eine Veranstaltung und diskutieren bei zwei anderen im Rahmen des Kulturfestivals mit.

Am Dienstag, den 21. Juli, sind wir von 20:30 bis 22 Uhr beim Talk “Partnerstadt und Partnerschaft – Zur Lage der queeren Community in Polen” von 100% Mensch dabei. Seit 2015 hat sich die Lage von queeren Menschen in Polen dramatisch verschlechtert. Ein Drittel des Landes hat sich zu sogenannten LGBTI-freien Zonen erklärt. Ein Bürgerreferendum, welches die Sexualaufklärung für unter 18-Jährige verbieten möchte, hat die erste parlamentarische Hürde genommen. Drangsalierungen, verbale Attacken gegen LSBTTIQ* und gewalttätige Angriffe auf Pride-Veranstaltungen zeigen, wie gefährlich die Lage für queere Menschen in vielen Regionen Polens geworden ist.Im Zuge der CSD-Kulturtage plant das Projekt 100% MENSCH eine Diskussionsveranstaltung zur Lage der queeren Community in Polen. Hierbei soll insbesondere die Lage in den Partnerstädten beleuchtet werden und die Frage diskutiert werden, welche Möglichkeiten Community, Verwaltung und Politik haben, um die queere Community in Polen zu unterstützen. Welche Hebel gibt es? Ist es sinnvoll Partnerschaften aufzulösen? Wie können wir die Community vor Ort stärken? Welche Bedeutung haben Städtepartnerschaften für den europäischen und internationalen Zusammenhalt und die Zivilgesellschaft? Um uns ein aktuelles Bild zur Lage in Polen machen zu können, haben wir im Vorfeld ein Interview mit der Equality Factory Lodz geführt. Dieses wird während der Veranstaltung gezeigt. 

Teilnehmende: Beatrice Olgun-Lichtenberg, Abteilung für Chancengleichheit von Frauen und Männern, Landeshauptstadt Stuttgart
Sören Landmann, LSBTI-Beauftragter der Stadt Mannheim, Urban Beckmann, Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), Kerstin Fritzsche, LSVD Baden-Württemberg e.V., sowie jemand von der Equality Factory Lodz. Auch diese Veranstaltung findet im Gerber statt.

Am Donnerstag, 16. Juli, haben wir mitdiskutiert bei der Veranstaltung “Ein Regenbogenhaus für Stuttgart?”. Die Idee eines Regenbogenhauses ist nicht neu. Mittlerweile ist jedoch in Zusammenarbeit mit vielen Community-Organisationen eine gemeinsame Vision entstanden. Mit dem letzten Doppelhaushalt wurden finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um durch eine Projektstudie herauszufinden, ob und in welcher Form ein Regenbogenhaus für Stuttgart sinnvoll ist. Im Gespräch mit Katharina Binder (LSVD Baden-Württemberg e.V.) Karimael Buledi (ihs e.V.), Tanja Gemeinhardt (dgti e.V.), Michael Kühn (Vava Vilde), Philine Pastenaci (ihs e.V.), Joachim Stein (Weissenburg e.V.) und einer Person von Gay & Grey soll es um Ideen und Wünsche der Regenbogen-Community gehen. Moderation: Beatrice Olgun-Lichtenberg (Abteilung Chancengleichheit, Stadt Stuttgart).

Bereits am Sonntag, 12. Juli, hatten wir unsere eigene Diskussionsrunde “Alles Familie!? Her mit der Reform des Abstammungsrechts”. Regenbogenfamilien werden immer noch diskriminiert. Drei Jahre Ehe für alle – aber das Abstammungsrecht wurde bisher nicht angetastet. Dabei ist es dringend notwendig, die Rechtslage an die Realität anzupassen, um Regenbogenfamilien vor Diskriminierung zu schützen und das Kindeswohl zu verbessern. Im Gespräch wird darüber geredet, was war, was ist und was sein sollte – von rechtlichen Entwicklungen auf Bundesebene bis hin zum neuen Beratungsangebot für Regenbogenfamilien in Stuttgart.

Zuletzt möchten wir noch auf unseren virtuellen Infostand hinweisen: Hier werden wir am Samstag, 25. Juli, und Sonntag, den 26. Juli vertreten sein. Schaut doch mal vorbei!

“LGBTI-freie Zonen” in Polen: Oberbürgermeister aus BW unterstützen EU-Brief

Der Rat der Gemeinden und Regionen Europas hat einen offenen Brief verfasst, der sich gegen Polens “Politik der LGBTI-freien Zonen” richtet und die Kommunen in Polen unterstützen soll, die dem widerstehen und weiterhin für europäische Werte und Menschenrechte einstehen. Bei den Unterzeichnern: die baden-württembergischen OBs von Biberach an der Riß, Mannheim und Esslingen am Neckar.

Während Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bei seinem Besuch in Warschau am Dienstag offensichtlich nicht die Gelegenheit nutzte, Polens derzeitige LSBTTIQ-feindliche Politiken anzusprechen und Präsident Duda zu kritisieren, regt sich Widerstand und Engagement bei europäischen Initiativen.

So hat der Rat der Gemeinden und Regionen Europas mit seinem Generalsekretär Frédéric Vallier eine Initiative gestartet, bei der sich Regionalchef*innen und Bürgermeister*innen europäischer Städte, Kommunen und Regionen einem offenen Brief anschließen können, der die aktuelle Politik Polens gegen LSBTTIQ verurteilt und den polnischen Kommunen Mut machen soll, die trotz des derzeitigen Drucks standhaft bleiben und weiterhin europäische Werte, Freiheits- und Menschenrechte vertreten. Mehr als 80 Unterschriften aus 14 Ländern sind es bereits. Neben den Regierungschefs von Metropolen wie Paris, Luxemburg, Köln oder Stockholm sind aus Baden-Württemberg auch die Oberbürgermeister von Biberach an der Riß, Mannheim und Esslingen am Neckar dabei: Norbert Zeidler (parteilos), Peter Kurz (SPD) und Jürgen Zieger (SPD).

Zudem hat die LGBTI Intergroup des Europäischen Parlaments eine Initiative gegen Diskriminierung von LSBTTIQ ins Leben gerufen und sich in einer Stellungnahme klar positioniert. Der dänische Minister für Lebensmittel, Fischerei, Gleichstellung und nordische Zusammenarbeit Mogens Jensen hat in einem Video alle europäischen Regierungen aufgerufen, die Bürger*innen Europas besser vor Diskriminierung zu schützen.

Auch der LSVD hat in einer bundesweit angelegten Aktion diejenigen Städte und Gemeinden angeschrieben, die Partnerschaften mit polnischen Kommunen unterhalten und um Stellungnahme und Thematisierung der LSBTTIQ-feindlichen Politik Polens gebeten. In Baden-Württemberg sind das 22 Städte und Gemeinden. Nur von fünf gab es bisher Rückmeldungen. Alles dazu und die Antworten sind, fortlaufend aktualisiert, hier zu lesen.

Da manche Antworten knapp und eher kryptisch sind, werden wir in nächster Zeit hier und da noch mal nachfassen. Der LSVD kann sich nicht vorstellen, dass eine Städtepartnerschaft, die auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt basiert, funktionieren kann, wenn europäische Rechte von einem Partnerland nicht eingehalten werden. Oder, wie es aus Mannheim auf unsere Anfrage hin formuliert wurde: “In unserer internationalen Arbeit sind wir als Stadt immer klar werteorientiert.” Man könne diese gravierenden Einschnitte in die Bürger- und Menschenrechte nicht einfach so hinnehmen, so Kurz gegenüber dem SWR.

Es ist dann das Mindeste als deutsche Kommune, sich in einem Schreiben an den polnischen Amtskollegen zu wenden, wie es etwa Schwäbisch Hall getan hat, denn, so schrieb uns die Stadt: “Auch wir in Schwäbisch Hall haben die Aussagen von Erzbischof Jedraszewski und die folgenden Resolutionen in polnischen Kommunen und Kreisen mit Befremden zur Kenntnis nehmen müssen. Dass wir als Stadt solche Aussagen und jede Form von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität oder der sexuellen Orientierung ablehnen, versteht sich von selbst.” Genau deswegen sollte aber auch an Städtepartnerschaften festgehalten werden, “um Offenheit und Toleranz zu fördern“.

Keine Zustimmung zum Adoptionshilfegesetz!

Am Donnerstag hat der Bundestag das sogenannte Adoptionshilfegesetz verabschiedet. Neben sicherlich vielen guten Aspekten verschlechtert das Gesetz aber die Situation von lesbischen Ehen mit Kind oder Kindern.

Wird ein Kind in eine heterosexuelle Ehe hineingeboren, ist automatisch der Ehemann der Vater – egal, ob er auch der biologische Vater ist oder nicht. Bei lesbischen Eltern ist dies nicht so. Immer noch muss die Co-Mutter in einem teils langwierigen und unangenehmen Verfahren ihre “Eignung” als Erziehungsberechtigte beweisen. Zu dieser ohnehin schon schwierigen Situation würde mit dem Adoptionshilfegesetz für das Frauen-Paar hinzukommen, sich auch noch einer Beratung unterziehen und Behörden mutmaßlich bis ins Kleinste ihre Lebens- und Einkommensverhältnisse offenlegen zu müssen.

Kinder in Regenbogenfamilien sind Wunschkinder. Menschen, die hier Eltern seien wollen, nehmen sehr viel auf sich – auch finanziell – , um sich ihren Kinderwunsch erfüllen zu können. Die Elternschaft ist sorgfältig durchdacht und lange geplant. Zwei-Mütter-Familien sind Herkunftsfamilien. Das Verfahren der Stiefkindadoption ist hier völlig fehl am Platz. Es ist entwürdigend und in höchstem Maße diskriminierend, wenn der nicht-biologischen Co-Mutter durch Staat und Behörden erst einmal widersprochen wird, Mutter sein zu können.

Der LSVD Baden-Württemberg appelliert deshalb an die baden-württembergische Landesregierung: Bitte lassen Sie diese Diskriminierung nicht zu!

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann, sehr geehrte Minister*innen, bitte lassen Sie das neue Adoptionshilfegesetz nicht im Bundesrat passieren. Bitte stimmen Sie nicht zu, damit wenigstens ein Vermittlungsausschuss eingesetzt werden kann. In einem anderen, weiteren Schritt muss dringend das Abstammungsrecht reformiert werden. Nur das wäre eine wirkliche Hilfe für Regenbogenfamilien. Wie lange sollen lesbische und schwule Eltern nach der Ehe-Öffnung noch warten, bis ihre Rechte auf diesem Gebiet verbessert werden? Bedenken Sie bitte, dass es hier auch um das Kindeswohl geht, und helfen Sie uns, indem Sie sich für eine Reform einsetzen.

Der Appell ging der Landesregierung in dieser Woche zu.

Wer sich weiterhin mit uns für eine Reform des Abstammungsrechts einsetzen möchte, kann hier unsere Petition unterschreiben.

Livestream nachgucken: Das war der IDAHOT 2020 in Stuttgart

Am 17. Mai ist Internationaler Tag gegen Homo- und Transphobie (International Day Against Homo- and Transphobia IDAHOT). Wegen der Coronavirus-Pandemie konnten wir in Stuttgart leider nicht wie sonst eine Aktion und Kundgebung auf der Straße und in der Fußgängerzone veranstalten. Dafür haben wir, der Lesben- und Schwulenverband Baden-Württemberg mit der IG CSD Stuttgart in diesem Jahr zusammen mit den Wirtschaftsweibern und 100% Mensch zwei Stunden live im Internet gestreamt. Schwerpunktthema war die schwierige Situation für LSBTTIQ in Polen.

30 Jahre ist es nun her, dass die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität von ihrer Liste der Krankheiten gestrichen hat. Noch immer ist Homosexualität aber in vielen Ländern der Welt ein Grund für Stigmatisierung, Ausgrenzung, Diskriminierung und auch Gewalt. Da gebe es viele Einzelthemen, die größere Aufmerksamkeit verdient hätten. Auf der Straße. Im direkten Gespräch. Mit einer großen Kundgebung. So war das geplant.

Aber leider ließ das Virus uns keine Wahl: Wie so viele kulturelle Veranstaltungen musste auch der IDAHOT in Stuttgart in diesem Jahr online stattfinden. Gemeinsam haben CSD Stuttgart – Stuttgart Pride, LSVD Baden-Württemberg e.V., 100% Mensch und Wirtschaftsweiber e.V. dennoch ein informatives und abwechslungsreiches Programm in einem virtuellen Format am 17. Mai abends gestreamt.

Mit musikalischer Unterstützung von Ela Querfeld gab es Nachrichten über die Situation von LSBTTIQ in Deutschland, Europa und der Welt, wir schalteten in Stuttgarts Nachbarstadt Lodz und diskutierten in einer gemischten Runde über das gesellschaftliche Klima, eigene Diskriminierungserfahrungen, wie Hate Speech wieder salonfähig wird und was wir uns als Community wünschen und auch selbst dem entgegensetzen können.

Ein Schwerpunkt war dabei in diesem Jahr die Situation in Polen. In Polen rufen Städte „LSBTTIQ-freie“ Zonen aus. Inzwischen rühmen sich damit fünf Regierungsbezirke, 37 Landkreise und 55 Gemeinden in unserem Nachbarland. Politiker*innen der Regierungspartei PiS befeuern mit Unterstützung von anderen nationalistischen Gruppen und Amtsträgern der katholischen Kirche regelmäßig dieses bedrohliche und gefährliche Klima. So werden im polnischen Parlament sexuelle und reproduktive Werte massiv angegriffen. Ein Gesetzentwurf sieht etwa vor, dass Sexualkundeunterricht an Schulen generell verboten werden soll. Begründung und Wortwahl erinnern dabei sehr an das Antihomosexualitätsgesetz in Russland, mit dem jegliches neutrales Informieren oder akzeptierendes Sprechen über LSBTTIQ vor Minderjährigen als Propaganda bestraft werden kann. Der LSVD hat mehr als 300 deutsche Städte und Gemeinden, die eine Partnerschaft zu Polen pflegen, um Solidarität mit polnischen LSBTTIQ gebeten. Nur wenige Städte und Gemeinden, auch aus Baden-Württemberg, haben bis jetzt geantwortet.

Hier den Livestream nachgucken:

Kundgebung “Familie ist da, wo Familie gelebt wird!” am 15.2.2020

Demo Familie ist da, wo Familie gelebt wird

Die rechtskonservative “Demo für Alle” sucht Stuttgart seit mehr als sechs Jahren regelmäßig heim. Waren es anfangs noch öffentliche Proteste gegen den neuen Bildungsplan und den Aktionsplan “Für Akzeptanz & gleiche Rechte” in Baden-Württemberg, so zieht die “Eltern-Initiative” von Hedwig von Beverfoerde sich nun in Hallen zurück und hält Symposien. Am 15. Februar soll in Stuttgart eines mit dem Titel “Familie am Abgrund” stattfinden. Zu erwarten sind neben den üblichen Statements gegen eine angebliche “Frühsexualisierung” durch LSBTTIQ im Unterricht und Unterrichtsmaterialien deutliche Haltungen gegen vielfältige Familienentwürfe. Denn seit der Ehe-Öffnung zielt die “Demo für alle” nicht unbedingt mehr auf die Bildungspolitik der Länder ab, sondern auf Regenbogenfamilien in all ihrer Vielfalt.

Beim geplanten Symposium am 15. Februar 2020 sollen Referenten über die “Zersetzung” der traditionellen Familie reden. Mit dabei ist Hubertus Knabe, bis 2018 Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin, des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses der Staatssicherheit der DDR.

Familie ist vielfältig
Der LSVD Baden-Württemberg will zusammen mit vielen anderen Initiativen, Vereinen und dem Bündnis für Vielfalt dieser homo- und transfeindlichen Veranstaltung eine positive Demonstration entgegensetzen. Motto: Familie ist da, wo Familie gelebt wird!

Hierbei soll es zum einen um Information über unterschiedliche Familienmodelle, Geschlecht und sexuelle Identität gehen. Zum anderen soll es ein Nachmittag für die ganze Familie werden, inklusive Kinderprogramm mit Seilspringen, Malstation, Straßenkreide und anderem. Außerdem wird es eine offene Speakers’ Corner geben.

Wir rufen auf: Kommt vorbei und zeigt Solidarität mit allen Formen von Familie in ihrer ganzen Vielfalt!

15.2., Schlossplatz in Stuttgart, 13.30 bis 16.00 Uhr