Reformationsdenkmal in Stuttgart wird zum temporären Gedenkort nach dem Anschlag auf den Berliner CSD

Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD sind wir geschockt, traurig und wütend. Viele von uns waren am Samstag beim CSD in Stuttgart und haben die schlimme Nachricht dann erfahren. Seit Samstagabend ist unsere Welt nicht mehr dieselbe. Etwas Unfassbares ist geschehen.

Unsere Gedanken und unsere Anteilnahme sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und der Berliner Community.

Aus Gesprächen wissen wir, dass es vielen anderen in der Stuttgarter Community auch nicht gut geht und das Bedürfnis besteht, mit der Trauer und der Wut irgendwo hinzukönnen. Die Trauer der Community braucht nun ihren Raum, braucht einen Ort.

Deswegen wird das Reformationsdenkmal am Hospitalhof ab Freitag (31.), 18 Uhr, temporär bis zum 8. August zum Gedenkort. Am Freitag um 18 Uhr werden wir den Gedenkort mit einer kurzen Aktion starten. Wer Blumen oder Kerzen mitbringen möchte, kann dies tun.

Ihr seid nicht allein!

Organisiert von: LSVD⁺ Baden-Württemberg – Verband Queere Vielfalt, Salz der Erde MCC Gemeinde Stuttgart, Ev. Kirchenkreis Stuttgart, AIDS-Hilfe Stuttgart, Stuttgart PRIDE

Das Reformationsdenkmal im Stuttgarter Hospitalhof wird zum temporären Gedenkort nach dem Anschlag auf den Berliner CSD.
Das Reformationsdenkmal im Stuttgarter Hospitalhof wird zum temporären Gedenkort nach dem Anschlag auf den Berliner CSD.

Die CSD-Saison in BW – Alle Termine im Überblick

Und wieder starten wir in eine CSD-Saison! Diesmal geht es hier und da bereits im Mai los. Die Hochzeit ist natürlich im Juni, mit dem Pride Month. Gleichstellungsthemen, für die wir auf die Straße gehen sollten, gibt es immer noch viele. Und leider verschlechtert sich auch das gesellschaftliche Klima. Erfreulicherweise gibt es aber gleich mehrere neue kleine CSDs. Euer Fahrplan für die Pride Season 2026:

CSD Stuttgart 2023
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Automatische Datenweitergabe – nicht mit uns! Die Änderung der Meldeverordnung in BW muss weg

In BW soll zum 1.11. eine Änderung der Meldeverordnung in Kraft treten, die TIN*-Personen betrifft. Grafik: Kerstin Rudat
In BW soll zum 1.11. eine Änderung der Meldeverordnung in Kraft treten, die TIN*-Personen betrifft. Grafik: Kerstin Rudat

Das baden-württembergische Innenministerium plant die automatisierte und anlasslose Weitergabe sensibler Daten von trans*, inter* und nicht-binären Personen (TIN*) an Polizeibehörden. Die im November veröffentlichte Verordnung zur Änderung der Meldeverordnung soll zum 1. November 2026 in Kraft treten. Das ist nicht mehr viel Zeit, um etwas ändern zu können. Lasst uns gemeinsam bei CSDs, auf Social Media und mit Briefen und Karten an das Innenministerium protestieren. Schreibt euren Abgeordneten, geht in Gespräche.

Um was es genau geht, warum es schlimm und dringend und wichtig ist, was wir tun, was ihr tun könnt:

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Statement zum IDAHOBITA: „Diskriminierung und Verfolgung queerer Menschen verletzen Menschenrechte“

Wir müssen heute auch und vor allem über die weltweit prekäre Lage von LSBTIAQ* reden. Weltweit erleben wir derzeit drastische Kürzungen in den Bereichen humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit – mit gravierenden Folgen für Millionen von Menschen. Besonders betroffen sind ohnehin marginalisierte und vulnerable Gruppen, darunter Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen – und queere Menschen. Tausende fliehen weltweit, weil sie wegen ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität im eigenen Land verfolgt werden.

IDAHOBITA 2026. Grafik: IG CSD Stuttgart
IDAHOBITA 2026. Grafik: IG CSD Stuttgart

In 65 Ländern der Welt sind homosexuelle Handlungen oder jedweder Ausdruck von Queerness verboten und werden strafrechtlich verfolgt. In mindestens sieben Ländern droht die Todesstrafe für gleichgeschlechtliche Handlungen: in Iran, Jemen, Mauretanien, Saudi-Arabien, Sudan, Uganda und teilweise auch in Somalia. In einigen anderen Ländern wie Afghanistan, Syrien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Teilen Nigerias wird die Todesstrafe ebenfalls angewandt oder droht durch die Anwendung der Scharia. In 38 Ländern ist die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt – in 80 ist sie verboten. Nur in neun Ländern der Welt sind Eingriffe bei Intersex-Kindern und -Jugendlichen verboten. Konversionstherapien sind in nur rund 30 Ländern weltweit verboten.

In Europa haben nur 9 von 49 Ländern umfassende rechtliche Gleichstellung für LSBTIAQ* verankert – Deutschland ist übrigens nicht darunter. 7 europäische Länder haben gar keinen Diskriminierungsschutz für queere Menschen.

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Demo gegen Queerfeindlichkeit am 17. Mai – Seid dabei!

Unter dem Motto „At the Heart of Democracy“ (Im Herzen der Demokratie) findet am 17. Mai in diesem Jahr der internationale Tag gegen Queerfeindlichkeit, der IDAHOBITA, statt. Wir wollen am Nachmittag in einem breiten Bündnis demonstrieren. Seid dabei! Musik und Redebeiträge gibt es auch.

IDAHOBITA 2026. Grafik: IG CSD Stuttgart
IDAHOBITA 2026. Grafik: IG CSD Stuttgart

Am 17. Mai, dem internationalen Protesttag gegen Queerfeindlichkeit, demonstrieren verschiedene Organisationen der queeren Communities Stuttgarts und ihre Unterstützer:innen gemeinsam gegen die zunehmende Gewalt und Hetze gegen queere Menschen und den Rechtsruck von Politik und Gesellschaft – hier in Deutschland. Auch international ist die Situation von queeren Menschen wieder schlechter geworden, weltweit gibt es antidemokratische Entwicklungen. Queere Communities sind unter Druck und vielseitigen Gefahren ausgesetzt.

Allein für Europa listet die ILGA (International Lesbian an Gay Association) in ihrem letzten jährlichen Bericht vor allem fünf gefährliche Trends auf:

  • In sieben Ländern wurden so genannte LGBT-Propaganda-Gesetze erlassen oder eingebracht, die die Sichtbarkeit und Diskussion von LSBTIQ*-Themen kriminalisieren und einschränken.
  • Gleichzeitig wurden in Bulgarien, Georgien, Ungarn und Montenegro sogenannte „Ausländische-Agenten-Gesetze“ eingebracht bzw. erlassen. Diese Gesetze zwingen LSBTIQ*-Organisationen, sich als aus dem Ausland finanzierte Organisationen registrieren zu lassen.
  • Anti-LSBTIQ*-Gesetze werden zunehmend im Bildungsbereich angewandt, indem die Inklusion von LSBTIQ*-Themen in Lehrplänen und Sensibilisierungsinitiativen eingeschränkt oder verhindert wird. Darüber hinaus wurden in neun Ländern Versuche unternommen, Gesetze einzuführen, die LSBTIQ*-Themen aus dem Sexualkundeunterricht ausschließen würden.
  • Hassreden werden normalisiert, vor allem durch politische und religiöse Führungspersonen. Die Zahl an Hasskriminalität gegen queere Menschen hat ein Rekordniveau erreicht. Gleichzeitig wird in Ländern wie Georgien, Ungarn, Irland, Rumänien und dem Vereinigten Königreich Angstmache betrieben, um Beschränkungen für die Gesundheitsversorgung von trans*-Personen zu rechtfertigen.
  • Viele europäische Länder, darunter Österreich, Belgien und Irland, lehnen Asylanträge aus teils willkürlichen Gründen ab, unter anderem aus dem Grund, dass die antragstellende Person nicht „lesbisch/schwul/queer genug“ sei.

Von 15:30 bis 17:30 Uhr laden wir zu persönlichen Gesprächen auf den Schlossplatz ein. Außerdem gibt es Reden und Musik. Seid dabei, kommt mit uns ins Gespräch und setzt mit uns ein Zeichen! Denn die Verteidigung queerer Rechte ist essenziell für den Erhalt der Demokratie. Queer rights are human rights!

Zum Organisationteam des IDAHOBITA* 2026 gehören neben uns und der federführenden IG CSD Stuttgart e.V. das Projekt 100% MENSCH, Mission TRANS*, die Weissenburg – Zentrum LSBTIQA+ Stuttgart, das fetz (Frauenberatungs- und Therapiezentrum Stuttgart), Abseitz Stuttgart e.V., die AIDS-Hilfe Stuttgart e.V., AG Queere Erinnerungskultur – „Der-Liebe-wegen“, just human, LC Stuttgart e.V., Verein zur Förderung von Jugendlichen e.V. – Stuttgart und die GEW – Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Die Organisationen laden die Stadtgesellschaft ein, sich an diesem wichtigen internationalen Protesttag mit den queeren Communities zu solidarisieren.