Hier sind wir beim CSD-Kulturfestival mit dabei

Leider findet auch der CSD in Stuttgart dieses Jahr nicht in gewohnter Form statt. Dennoch Vielfalt verstärken und sichtbar sein trotz Corona – da sind wir natürlich dabei! Wir machen selbst eine Veranstaltung und diskutieren bei zwei anderen im Rahmen des Kulturfestivals mit.

Am Sonntag, 12. Juli, startet um 15 Uhr unsere eigene Diskussionsrunde “Alles Familie!? Her mit der Reform des Abstammungsrechts”. Wir sind im CSD-Studio im Gerber in der Sophienstraße, das Ganze wird aber auch als Live-Stream übertragen. Wenn ihr live vor Ort mit dabei sein möchtet, müsst ihr auf der Webseite des CSD Karten reservieren.

Regenbogenfamilien werden immer noch diskriminiert. Drei Jahre Ehe für alle – aber das Abstammungsrecht wurde bisher nicht angetastet. Dabei ist es dringend notwendig, die Rechtslage an die Realität anzupassen, um Regenbogenfamilien vor Diskriminierung zu schützen und das Kindeswohl zu verbessern. Im Gespräch wird darüber geredet, was war, was ist und was sein sollte – von rechtlichen Entwicklungen auf Bundesebene bis hin zum neuen Beratungsangebot für Regenbogenfamilien in Stuttgart.

Hier könnt ihr den Livestream ansehen:

Am Donnerstag, 16.Juli um 18 Uhr diskutieren wir mit bei der Veranstaltung “Ein Regenbogenhaus für Stuttgart?”. Die Idee eines Regenbogenhauses ist nicht neu. Mittlerweile ist jedoch in Zusammenarbeit mit vielen Community-Organisationen eine gemeinsame Vision entstanden. Mit dem letzten Doppelhaushalt wurden finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um durch eine Projektstudie herauszufinden, ob und in welcher Form ein Regenbogenhaus für Stuttgart sinnvoll ist. Im Gespräch mit Katharina Binder (LSVD Baden-Württemberg e.V.) Karimael Buledi (ihs e.V.), Tanja Gemeinhardt (dgti e.V.), Michael Kühn (Vava Vilde), Philine Pastenaci (ihs e.V.), Joachim Stein (Weissenburg e.V.) und einer Person von Gay & Grey soll es um Ideen und Wünsche der Regenbogen-Community gehen. Moderation: Beatrice Olgun-Lichtenberg (Abteilung Chancengleichheit, Stadt Stuttgart).

Am Dienstag, den 21. Juli, sind wir von 20:30 bis 22 Uhr beim Talk “Partnerstadt und Partnerschaft – Zur Lage der queeren Community in Polen” von 100% Mensch dabei. Seit 2015 hat sich die Lage von queeren Menschen in Polen dramatisch verschlechtert. Ein Drittel des Landes hat sich zu sogenannten LGBTI-freien Zonen erklärt. Ein Bürgerreferendum, welches die Sexualaufklärung für unter 18-Jährige verbieten möchte, hat die erste parlamentarische Hürde genommen. Drangsalierungen, verbale Attacken gegen LSBTTIQ* und gewalttätige Angriffe auf Pride-Veranstaltungen zeigen, wie gefährlich die Lage für queere Menschen in vielen Regionen Polens geworden ist.Im Zuge der CSD-Kulturtage plant das Projekt 100% MENSCH eine Diskussionsveranstaltung zur Lage der queeren Community in Polen. Hierbei soll insbesondere die Lage in den Partnerstädten beleuchtet werden und die Frage diskutiert werden, welche Möglichkeiten Community, Verwaltung und Politik haben, um die queere Community in Polen zu unterstützen. Welche Hebel gibt es? Ist es sinnvoll Partnerschaften aufzulösen? Wie können wir die Community vor Ort stärken? Welche Bedeutung haben Städtepartnerschaften für den europäischen und internationalen Zusammenhalt und die Zivilgesellschaft? Um uns ein aktuelles Bild zur Lage in Polen machen zu können, haben wir im Vorfeld ein Interview mit der Equality Factory Lodz geführt. Dieses wird während der Veranstaltung gezeigt. 

Teilnehmende: Beatrice Olgun-Lichtenberg, Abteilung für Chancengleichheit von Frauen und Männern, Landeshauptstadt Stuttgart
Sören Landmann, LSBTI-Beauftragter der Stadt Mannheim, Urban Beckmann, Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), Kerstin Fritzsche, LSVD Baden-Württemberg e.V., sowie jemand von der Equality Factory Lodz. Auch diese Veranstaltung findet im Gerber statt.

Zuletzt möchten wir noch auf unseren virtuellen Infostand hinweisen: Hier werden wir am Samstag, 25. Juli, und Sonntag, den 26. Juli vertreten sein. Schaut doch mal vorbei!

Keine Zustimmung zum Adoptionshilfegesetz!

Am Donnerstag hat der Bundestag das sogenannte Adoptionshilfegesetz verabschiedet. Neben sicherlich vielen guten Aspekten verschlechtert das Gesetz aber die Situation von lesbischen Ehen mit Kind oder Kindern.

Wird ein Kind in eine heterosexuelle Ehe hineingeboren, ist automatisch der Ehemann der Vater – egal, ob er auch der biologische Vater ist oder nicht. Bei lesbischen Eltern ist dies nicht so. Immer noch muss die Co-Mutter in einem teils langwierigen und unangenehmen Verfahren ihre “Eignung” als Erziehungsberechtigte beweisen. Zu dieser ohnehin schon schwierigen Situation würde mit dem Adoptionshilfegesetz für das Frauen-Paar hinzukommen, sich auch noch einer Beratung unterziehen und Behörden mutmaßlich bis ins Kleinste ihre Lebens- und Einkommensverhältnisse offenlegen zu müssen.

Kinder in Regenbogenfamilien sind Wunschkinder. Menschen, die hier Eltern seien wollen, nehmen sehr viel auf sich – auch finanziell – , um sich ihren Kinderwunsch erfüllen zu können. Die Elternschaft ist sorgfältig durchdacht und lange geplant. Zwei-Mütter-Familien sind Herkunftsfamilien. Das Verfahren der Stiefkindadoption ist hier völlig fehl am Platz. Es ist entwürdigend und in höchstem Maße diskriminierend, wenn der nicht-biologischen Co-Mutter durch Staat und Behörden erst einmal widersprochen wird, Mutter sein zu können.

Der LSVD Baden-Württemberg appelliert deshalb an die baden-württembergische Landesregierung: Bitte lassen Sie diese Diskriminierung nicht zu!

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann, sehr geehrte Minister*innen, bitte lassen Sie das neue Adoptionshilfegesetz nicht im Bundesrat passieren. Bitte stimmen Sie nicht zu, damit wenigstens ein Vermittlungsausschuss eingesetzt werden kann. In einem anderen, weiteren Schritt muss dringend das Abstammungsrecht reformiert werden. Nur das wäre eine wirkliche Hilfe für Regenbogenfamilien. Wie lange sollen lesbische und schwule Eltern nach der Ehe-Öffnung noch warten, bis ihre Rechte auf diesem Gebiet verbessert werden? Bedenken Sie bitte, dass es hier auch um das Kindeswohl geht, und helfen Sie uns, indem Sie sich für eine Reform einsetzen.

Der Appell ging der Landesregierung in dieser Woche zu.

Wer sich weiterhin mit uns für eine Reform des Abstammungsrechts einsetzen möchte, kann hier unsere Petition unterschreiben.