Fritz Bauer in Stuttgart angemessen ehren – offener Brief an die Stadträt:innen

Sehr geehrte demokratische Mitglieder des Gemeinderats,

anlässlich des bevorstehenden CSD-Rathausempfangs und des Beginns der CSD-Kulturwochen 2026 möchten wir unsere Unterschriftenaktion „Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer – auch im Kampf gegen das §175-Unrecht“ erneut in den Blick rücken.

Unterschriften-Übergabe beim CSD-Neujahrsempfang am 23.01.26 Foto: IG CSD Stuttgart
Unterschriften-Übergabe beim CSD-Neujahrsempfang am 23.01.26 Foto: IG CSD Stuttgart

Seit der Übergabe der über 2.000 Unterschriften an Frau Bürgermeisterin Isabel Fezer, Referat Jugend und Bildung, als Vertreterin der Stadt Stuttgart beim CSD-Neujahresempfang am 23. Januar haben wir von der Stadt die schriftliche Rückmeldung erhalten, dass wir uns noch etwas gedulden sollen. Bei einer zufälligen persönlichen Begegnung haben Sie, Herr Dr. Fabian Mayer, Erster Bürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart, zudem eine grundsätzlich unterstützende Haltung gegenüber unserem Anliegen erkennen lassen. Dies sehen wir als ein positives Signal und als gute Grundlage für den weiteren Dialog.

Mit diesem Schreiben wollen wir unterstreichen, dass formale, rechtliche und finanzielle Einwände gegen eine angemessene Würdigung von Dr. Fritz Bauer im Stuttgarter Rathaus nicht länger im Wege stehen sollten. Wir von der Initiative für eine Ehrung für Fritz Bauer (AG Queere Erinnerungskultur „Der-Liebe-wegen“, IG CSD Stuttgart, LSVD⁺ BW, Weissenburg e.V.) wollen Sie alle für die baldige Realisierung unserer drei Kernanliegen gewinnen:

Weiterlesen

Save the Date: Regenbogenfamilienkonferenz 2026 in Mannheim

Save the Date: 2. Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim vom 9. bis 11.10.26
Save the Date: 2. Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim vom 9. bis 11.10.26

Ja, wir tun es wieder! Nachdem wir 2023 eine erste fulminante Regenbogenfamilien-konferenz veranstaltet haben, machen wir in diesem Jahr wieder eine: vom 9. bis 11. Oktober in Mannheim. Tragt euch schon mal das Datum fett in die Kalender ein. Weitere Details und die Möglichkeit zur Anmeldung kommen so schnell wie möglich hier auf die Website. Und natürlich informieren wir euch auch über Social Media.  

Statement zum IDAHOBITA: „Diskriminierung und Verfolgung queerer Menschen verletzen Menschenrechte“

Wir müssen heute auch und vor allem über die weltweit prekäre Lage von LSBTIAQ* reden. Weltweit erleben wir derzeit drastische Kürzungen in den Bereichen humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit – mit gravierenden Folgen für Millionen von Menschen. Besonders betroffen sind ohnehin marginalisierte und vulnerable Gruppen, darunter Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen – und queere Menschen. Tausende fliehen weltweit, weil sie wegen ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität im eigenen Land verfolgt werden.

IDAHOBITA 2026. Grafik: IG CSD Stuttgart
IDAHOBITA 2026. Grafik: IG CSD Stuttgart

In 65 Ländern der Welt sind homosexuelle Handlungen oder jedweder Ausdruck von Queerness verboten und werden strafrechtlich verfolgt. In mindestens sieben Ländern droht die Todesstrafe für gleichgeschlechtliche Handlungen: in Iran, Jemen, Mauretanien, Saudi-Arabien, Sudan, Uganda und teilweise auch in Somalia. In einigen anderen Ländern wie Afghanistan, Syrien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Teilen Nigerias wird die Todesstrafe ebenfalls angewandt oder droht durch die Anwendung der Scharia. In 38 Ländern ist die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt – in 80 ist sie verboten. Nur in neun Ländern der Welt sind Eingriffe bei Intersex-Kindern und -Jugendlichen verboten. Konversionstherapien sind in nur rund 30 Ländern weltweit verboten.

In Europa haben nur 9 von 49 Ländern umfassende rechtliche Gleichstellung für LSBTIAQ* verankert – Deutschland ist übrigens nicht darunter. 7 europäische Länder haben gar keinen Diskriminierungsschutz für queere Menschen.

Weiterlesen

Fritz Bauer: Einladung zu Film und Podiumsdiskussion am 17. Januar in Stuttgart

Wir laden ein zu einer Film- und Diskussionsveranstaltung anlässlich des Gedenktags für die Opfer der NS-Diktatur am Samstag, 17. Januar. Gezeigt wird zuerst der Film „Die Akte General“, anschließend gibt es eine Diskussion zum Thema „Wie das demokratische Vorbild Fritz Bauer in Stuttgart sichtbarer machen?“.

Demokratische Werte stehen unter Druck, während rassistische und queerfeindliche Haltungen wieder sichtbarer werden. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Städte heute Haltung zeigen – und welche Persönlichkeiten sie als Vorbilder für Gerechtigkeit, Vielfalt und Menschenrechte sichtbar machen. In Stuttgart wäre es dringend nötig, Fritz Bauer sichtbarer zu machen und sein schaffen nicht nur im Engagement gegen den Nationalsozialismus, sondern auch gegen den Paragrafen 175 zu ehren.

Am 17. Januar lädt daher die AG Queere Erinnerungskultur „Der Liebe wegen“ des Weissenburg e.V. zusammen mit der IG CSD Stuttgart und dem LSVD+ Baden-Württemberg zu Filmvorführung und Diskussion in die Weissenburg (Weißenburgstr. 28a, Stuttgart) ein. Um 18 Uhr wird der Film „Fritz Bauer: Die Akte General“ gezeigt, ab 20 Uhr schließt sich eine Podiumsdiskussion an, die auch ohne vorherigen Filmbesuch wahrgenommen werden kann.

Fritz Bauer, in Stuttgart geboren, ist vor allem als Initiator der Auschwitz-Prozesse bekannt und steht wie kaum ein anderer für die juristische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen in der Bundesrepublik. Weniger bekannt ist sein langjähriger Einsatz gegen das §175-Unrecht und für die Entkriminalisierung einvernehmlicher (homo-)sexueller Handlungen zwischen Erwachsenen – ein Aspekt seines Wirkens, der im Laufe des Abends ebenfalls aufgegriffen wird.

Ausgangspunkt der Veranstaltung ist die noch bis zum 23.1.2026 laufende Unterschriftenaktion „Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer – auch als Vorkämpfer gegen das §175-Unrecht„. Zwar würdigt die Stadt Stuttgart Fritz Bauers Lebenswerk ausdrücklich, verweist jedoch auf rechtliche Bedenken gegen eine posthume Ehrenbürgerschaft. Die Veranstaltenden nehmen dies zum Anlass, die Debatte zu öffnen und gemeinsam mit der Stadtgesellschaft darüber zu sprechen, wie eine demokratische Stadt Verantwortung übernehmen, Haltung zeigen und das Engagement von Persönlichkeiten wie Fritz Bauer dauerhaft sichtbarer machen kann. In diesem Zusammenhang wird auch der Vorschlag einer Fritz-Bauer-Ehrung als möglicher neuer Weg der öffentlichen Würdigung diskutiert – ausdrücklich als offener Impuls und nicht als festgelegtes Ergebnis. Als Orientierung dient unter anderem die Otto-Hirsch-Auszeichnung, mit der in Stuttgart seit 1985 Engagement für die christlich-jüdische Zusammenarbeit gewürdigt wird.

Auf dem Podium vertreten sein werden:

  • Elke Banabak, Geschäftsführerin der Initiative Lern-  und Gedenkort Hotel Silberr
  • Andreas Keller, Zeichen der Erinnerung
  • Dr. Axel Nothardt, Verbindungslehrer des Wagenburg-Gymnasiums
  • Ralf Bogen, AG Queere Erinnerungskultur „Der Liebe wegen“ des Weissenburg e.V.

Moderiert wird die Veranstaltung von Sven Tröndle, Mitglied im geschäftsführenden Vorstand des Weissenburg e.V.. Mit einem Grußwort von Barbara Straub, Leiterin der Abteilung für Chancengleichheit der Landeshauptstadt Stuttgart. 

Natürlich ist auch für alle anderen Gäste möglich, sich an der Diskussion zu beteiligen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Erinnerungskultur demokratische Werte stärken, Rassismus und Queerfeindlichkeit entgegenwirken und für alle spannend gestaltet werden kann.

Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer: Stadt Stuttgart bringt neue Ehrungsform in Gespräch

Die Unterschriftenaktion „Ehrenbürgerschaft für Fritz Bauer – auch als Vorkämpfer gegen das §175-Unrecht“, die wir gemeinsam mit dem Projekt „Der Liebe wegen“, der Weissenburg und der IG CSD Stuttgart angestoßen haben, erfährt breite Unterstützung. Mehr als 1.200 Menschen unterstützen das Anliegen. Über 200 Kommentare auf der Plattform Open Petition bekräftigen den Wunsch, Fritz Bauer als demokratisches und moralisches Vorbild in Stuttgart sichtbarer zu machen. Nach Gesprächen mit dem zuständigen Amt in der Stadtverwaltung Stuttgart wird aber klar: Eine Ehrenbürgerschaft kann laut der baden-württembergischen Gemeindeordnung nicht posthum an jemanden verliehen werden. Wir wollen aber weitermachen, weil es andere Möglichkeiten gibt.

Weiterlesen